2. Juli 2010

Linkspartei: DDR, ich hör dir trapsen

5 Kommentare

Mir hats ganz schön gegruselt angesichts der Umstände der Bundespräsidentenwahl. So hat die Zeitung Junge Welt (beliebt bei Linken) z.b. einen ehemaligen Stasi-Oberst aus Rostock interviewt, der dann völlig kritiklos vom Leder ziehen konnte gegen Gauck mit Sätzen wie “der war schon immer gegen die Stasi” etc.; Lafontaine entgegnete in Talkshows zu den Stasispitzeleien “auch heute noch werden hunderttausende ArbeiterInnen überwacht” (nicht das ich das gut finde, aber der Vergleich ist hanebüchen und Geschichtsklitterung); Diether Dehm meinte vor dem 3. Wahlgang, man habe die Wahl zwischen Stalin und Hitler (er hat sich nun entschuldigt, arg viel besser machts das nicht). Hallo, auf welchem demokratischen, verfassungsstaatlichen Fundament bewegen sich eigentlich diese Menschen?! Bislang dachte ich, Personen wie die Frau (glaube Platz 18 der Bundesliste, Name längst verdrängt), mit der ich zusammen auf der Podiumsdiskussion zur EU Wahl einer Schule in Rastatt gesessen bin und meinte “China sei ein gutes Beispiel, wie viele Völker friedlich in einen Staat integriert wurden” seien Einzelstimmen innerhalb der Linkspartei; die NRW-Linken, na gut, das sind die Fundis bei den Linken; kein Wunder, dass die nicht koalitionsfähig sind. Doch Einzeltstimmen? Das ist wohl nicht so. 20 Jahre nach der Wende dachte ich, die Linkspartei sei weiter. Aber: Sie atmet immmer noch den Mief einer Nachfolgeorganisation der SED-Diktatur. Die Aufarbeitung der eigenen DDR Vergangenheit liegt noch vor ihr.

ps. schöner Kommentar aus jetzt!/Süddeutsche Zeitung zum Thema.



5 Kommentare »

  • Christian meint:

    Auf die teilweise haarsträubenden Zustände in der Linkspartei wird von anderer Seite schon seit Jahren hingewiesen, was weder Herrn Al-Wazir noch andere hessische Grüne davon abgehalten hat, gemeinsam mit Frau Ypsilanti ein Linksbündnis anzustreben. Auch Frau Löhrmann wird in NRW in den nächsten Jahren ein ums andere Mal auf die Linkspartei als Polit-Partner zurückgreifen müssen – erstmals natürlich bei ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin. Man sollte dabei nicht vergessen, in wessen Abhängigkeit man sich in solchen Bündnissen begibt…

    So gesehen finde ich es natürlich erfreulich, wenn der eine oder andere Grüne durch die Aussagen der Linkspartei zur Gauck-Kandidatur jetzt “aufwacht”, wobei dieser Moment eigentlich schon früher hätte kommen können – ich denke da nur an die Hetze der Linkspartei gegen den Dalai Lama im Hamburger Parlament, an die Auftritte von MdBs bei Ex-Stasi-Vereinigungen und -Feiern oder aber an die antisemitischen Ausfälle (”das läppische Existenzrecht Israels”) einiger Vertreter dieser Partei. Nicht in einem einzigen Fall hatte das Konsequenzen, ebenso wie auch Herr Dehm für den Vergleich von Wulff und Gauck mit Hitler und Stalin keine Maßregelung zu fürchten braucht.

    Ich hoffe, diese Erfahrungen sind nicht vergessen, wenn das nächste Mal die große Begeisterung für rot-rot-grüne Experimente ausbricht. Konsequent wäre es eigentlich, nun gerade den Sektierern in NRW nicht die Hand zu reichen, sondern lieber noch einmal alle anderen Optionen wie Jamaika oder die Ampel gründlich auszusondieren…

  • Stephan meint:

    Natürlich gibt es bei den Linken, die einen oder anderen “ewig Gestrigen”, das ergibt sich schon aus den Buografien vieler Mitglieder.
    Das war aber bei der CDU nach dem Krieg auch nicht anders, da sind auch Ex-Nazis gewesen. Auch die Grünen hatten in den Achtzigern viele EX-Mitglieder aus K-Gruppen. Heute sind sie Bio-Liberale, die lieber mit einer FDP oder einer CDU koalieren.

    Um zu erreichen, dass die Politik endlich wieder das tut, was die Mehrheit des Volkes will (nur ein Beispiel:Afghanistan) braucht es die Linkspartei. Leider sind SPD und Grüne (noch) nicht in der Lage dies zu erkennen. Die SPD ist beleidigt, weil viele heutige Linke unter Schröder die SPD verlassen haben. Und die Grünen sind heute Bio-Liberale, die thematisch lieber mit einer FDP oder einer CDU koalieren.

    Auch hier zwei Beispiele: SPD und den Grünen führten in NRW ein Pseudo-Koalitionsgespräch mit den Linken, bei dem sie ständig nur auf der Haltung zur DDR rumgehackt haben und hinterher tönten die Linke sei nicht regierungsfähig. Auch bei der Bundestagswahl haben sie schnell einen Kandidaten (Gauck) hervorgezaubert und Schwarz-Gelb angeboten. Die Linke wollten sie gleich ausgrenzen. Dann sind sie bei Schwarz-Gelb abgeblitzt und nun geben sie der Linken die Schuld weil sie ihnen nicht hinterhergelaufen ist.

    Fakt ist, dass die Linken mit Bartsch, Lafontaine, Ernst, Kipping. Lötzsch, Pau, Gysi hervorragende Persönlichkeiten haben, die alle ministrabel wären.

    Dass Herr Mouratidis hier die Linkspartei bildlich mit Marx und Lenin in Verbindung bringt, ist blanke Polemik und verhindert jede Annäherung der (ich sag es mal so pointiert) “fortschrittlichen Kräfte” aneinander. Bleiben SPD und Grüne bei ihrem Abgrenzungskurs, wird es auf absehbare Zeit keinen Kurswechsel in Deutschland geben. Die Armen werden weiter ärmer und die Reichen weiter reicher. Das ist keine Polemik, schauen sie sich die Statistik an.

  • Michael meint:

    Hallo Herr Mouratidis,

    habe gerade etwas auf Ihrer Website gestöbert. Danke für diesen augenöffnenden Beitrag! Wenn ich solche undifferenzierte Polemik lese, bin ich mir einmal mehr sicher, mit meiner Abkehr von den Grünen (nach > 15 Jahren als tief überzeugter Anhänger und Wähler) vor einiger Zeit angesichts der rotgrünen Bundespolitik die richtige Wahl getroffen zu haben.

    Die Grünen waren mal eine Alternative, weil sie die platten Parolen der etablierten Parteien eben _nicht_ nachgebetet haben. Anfangs sogar selbst Zielscheibe waren. Weil sie differenzieren konnten und wollten. Nichts davon scheint geblieben, wenn man solche Texte liest. Hier wird eins mit dem anderen in den Topf geworfen, aus Einzelstimmen von nicht selten profilierungssüchtigen Hinterbänklern (die es bei allen Parteien gibt), Presseorganen, die einfach mal locker übers Knie fest mit der Partei verbunden werden (als ehemaliges FDJ-Organ könnte man die JungeWelt – in der in der Tat oft hahnebüchene Texte stehen – auch mit Kanzlerin Merkel in Verbindung bringen), und außer Kontext zitierten Aussagen eine Pseudopsychoanalyse der Linken gebastelt und am Ende noch mit der SED-Vergangenheit (die ja bekanntlich v.a. im Westen eine riesige Rolle spielte…) der Deckel drauf gemacht. Diskussion unerwünscht.

    Ich halte die Linkspartei übrigens für gerade auf den Hinterbänken durchaus mit einem gerüttelt Maß an Idioten besetzt. Wie jede Partei. Eventuell hat die Linke da sogar deutlich mehr (auch, wenn man z.B. die DKP-Listenplatzbesetzer im Westen ausnimmt) als andere. Aber das sind bis zum statistisch validen Beweis des Gegenteils eben doch Einzelstimmen, bzw. sollten bei seriösem Umgang mit Parteien als solche gelten.

    Nicht nur wegen R. Schlauch und J. Fischer, wegen Kriegspolitik und Verrat an fast sämtlichen ursprünglich grünen Grundsätzen – auch wegen Beiträgen wie diesem halte ich die Grünen heute für -leider!!- nichts anderes als eine leicht chlorophyllhaltige Filiale der Etablierten Vier.

    Unter diesen Umständen “verschenke” ich meine Stimme bei der Wahl lieber an eine evtl. nicht in den Landtag kommende “Splitterpartei”, wie es die Piraten gerade sind. Die sich allerdings, wie Linke und Grüne vor ihnen, auf den Weg zu einer festen mitzurechnenden Größe im Spektrum machen. Plakative Aussagen derartiger Couleur statt politischer Auseinandersetzung treten zumindest im Moment dort wenigstens nicht in einer solch unangenehmen Größenordnung auf.

    Schade. Es hätte so schön mit uns werden können, Grüne Partei. Aber Du hast Dich in ein hässliches, saturiertes und polemisches Zerrbild Deiner Ideale gewandelt. :(

  • Michael meint:

    Hallo Herr Mouratidis,

    danke für diese überzeugende Demonstration Ihrer Auffassung von Meinungsfreiheit, die meine zukünftigen Wahlentscheidungen mit Sicherheit mitbeeinflussen wird.

    Dennoch viel Glück für den heutigen Wahltag – unsere Ziele überschneiden sich ja durchaus in vielen Punkten. Schade, dass es unsere Auffassung von Toleranz, Redefreiheit und Information offenbar nicht tut.

  • J.Drechsel meint:

    Nun ja, ich habe mal die eine oder andere Seite hier “quergelesen” und bin natürlich beim Titel” Linkspartei: DDR, ich hör dir trapsen” hängengeblieben. Das auf einer “grünen” Seite die Linkspartei angesprochen wird ist schon schön, habe ich doch bisher erlebt, dass “Grüne” beim Thema DIE LINKE meist seltsam erstarrten und mich anblickten, als wollte ich ihre mühsam angesparten Kapitalreserven mir aneignen.
    Das der Betreiber dieser Internetseite sich in den üblichen Vorwürfen einreiht hätte ich nicht erwartet.

    Er schreibt:<>, da möchte ich es doch mal so formulieren: 30 Jahre nach der “Bunten Liste” dachte ich die Grünen wären weiter; aber leider scheinen sich die damaligen grünen Hoffnungen nun zu einer neuen bürgerlichen, geldorientierten und nach Pöstchen suchenden Partei zu entwickeln. Billiggeschrieben würde ich dann schreiben: FDP, ick hör dir trapsen !
    Erinnern wir uns doch an 2006 als ein Herr Kretschmann bei einem Herrn Öttinger darum buhlte, mit den Grünen eine Regierung zu bilden als mit den “Gelben”.
    Ich seh das ganz pragmatisch: die Grünen sind im System angekommen, DIE LINKE ist immer bereit der Öffentlichkeit zu zeigen was mit ihr gemacht wird… wie damals die Grünen, als die noch wirklich grün waren.
    Beste Grüße Jörg Drechsel, der darum bittet jetzt nicht mit dem Argument: “Ja, wir haben uns weiterentwickelt” zu argumentieren ;-)

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