7. Mai 2008

Obama for President!

3 Kommentare

Die Frage, wer denn nun nächster Präsident oder Präsidentin wird, zog sich durch meinen ganzen Aufenthalt in den USA. Ich habe so gut wie keine Gelegenheit ausgelassen, die Menschen darauf anzusprechen und verfolgte aufmerksam die Nachrichten. Während die Nachrichten ziemlich schnell auf den Nerv gingen (ständige Wiederholungen und Kommentare von Analysten der einzelnen Lager), war es sehr angenehm, mit den Menschen zu diskutieren.
Am wahrscheinlichsten ist, dass sich der/die KandidatIn der Demokratischen Partei durchsetzen wird. Man soll zwar das Fell des Bären nicht vor dessen Erlegung verteilen, aber ein Sieg des Republikaner McCain wäre eine faustdicke Überraschung. Zu viele haben genug vom Krieg im Irak und der wachsenden ökonomischen Spaltung der amerikanischen Gesellschaft.
Bleibt also noch der Zweikampf Hillary gegen Obama. In den Straßen der Städte und Staaten, die ich besucht hatte, liegt eindeutig Obama vorne. Seine Anhänger und Anhängerinnen sind enthusiastischer, und das zeigen sie auch auf ihren Autos, an den Fensterscheiben ihrer Wohnungen und Geschäften. In Raleigh in North Carolina besuchten wir Obamas Wahlkampfbüro, das überquoll vor freiwilligen Wahlkampfhelfern. Alleine in der halben Stunde unseres Besuchs kamen schätzungsweise 20 Menschen vorbei – Alt wie Jung, alle Ethnien und sozialen Schichten waren vertreten.
Am letzten Tag meines Aufenthalts zog unsere Gruppe dann noch das große Los: Wir besuchten eine Art Parteitag der demokratischen Partein in North Carolina, hier sprachen Obama wie Clinton. Eigentlich war es ein großes Fundraisingdinner, aber das gemeine Volk konnte in der Sporthalle auf der Tribüne Platz nehmen, umsonst. Da saßen wir dann auch. Das Verhältnis Hillary – Obama Fans betrug ungefähr 1:2, interessant wieder deren Zusammensetzung: Hier (Hillary) fast ausschließlich weiß, weiblich und fortgeschrittenes Alter; da (Obama) bunt gemischt. Wenn ich es richtig gesehen habe, waren die beiden einzigen Afro-Amerikaner im Clinton-Block die beiden “Einheizer”. Die alte amerkanische Rollenteilung also.
Hillary kam ziemlich am Anfang und sprach im Stile einer Kandidatin, die noch sehr im Zweikampf “ich gegen ihn” verstrickt war. Insgesamt wenig inspirierend und typisch für amerikanische PolitikerInnen. Ihre inhaltlichen Aussagen waren sehr von der drohenden Rezession geprägt, ihre wirtschaftlichen Losungen halte ich für wenig durchdacht. Angesichts der hohen Benzinpreise schlug sie die Streichung der Benzinsteuer vor und eine 10.000 Dollar Steuergutschrift beim Kauf eines neuen benzinsparenden Wagens. Sie will die Mittelschicht um über runde 100 Mrd entlasten; es kam noch einiges mehr, das waren nur die dicksten Brocken. Wie sie das finanzieren will, ließ sie offen. Nach ihrer Rede folgten dann noch einige andere BewerberInnen für allerlei andere Ämter, als dann schließlich Obama ans Mikro trat. Eigentlich reden die wichtigsten immer am Ende, dachte ich mir. Die Angestellten der Halle, die KellnerInnen, alle waren sie gespannt auf Obamas Worte.
Auch wir waren beeindruckt. Es sprach im Stile eines kommenden Präsidenten, erwähnte seine Konkurrentin kaum, sondern konzentrierte sich darauf die Republikaner und Präsident Bush in die Pfanne zu hauen; er ließ es sich aber nicht entgehen darauf hinzuweisen, dass die vorgeschlagene Kürzung der Benzinsteuer nur den großen Ölkonzernen zu neuen Rekordgewinnen verhelfen. Obama forderte das Ende des Kriegen im Irak binnen 16 Monaten und setzte mehr Schwerpunkte in der Umweltpolitik und Klimaschutz als Clinton. Mit die wichtigste Botschaft war aber: Er sehe sich als Präsident aller Amerikaner – gleich welcher Hautfarbe und sozialer Schicht.
Seine Rede wurde immer wieder unterbrochen durch tosenden Applaus und Zwischenrufen a la “Du wirst der neue Präsident”. Obama sprach pathetisch, authentisch und faszinierte die Menschen. Es erinnerte mich stark an Fischer im Wahlkampf 2002 – nur ohne dessen Arroganz.
Nach den drei Wochen in den USA steht für mich fest: Mouratidis für Obama! Zusammenfassend folgende Gründe:
Er ist Demokrat und er ist der grünere beider Kandidaten: er setzt mehr Akzente in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz; er hat einen Ausstiegsplan für den Krieg im Irak in der Tasche; seine Sozialpolitk wirkt finanzpolitisch durchdachter. Zudem steht er für das multikulturelle Amerika. Viele junge und Menschen der verschiedenen Minderheiten unterstützen ihn, ebenso wie viele Weiße. Mark Strama vergleichte die Wahl Obamas mit der Kennedys. In der Tat umströmt Obama die Welle von Aufbruch, von Change. Viele Amerikaner sehen das auch so. Ich hoffe, sie ergreifen diese Chance.



3 Kommentare »

  • Michael Ecker meint:

    Zwar ist Obama zweifellos der bessere Kandidat, man sollte sich aber nicht zu viel von ihm versprechen. So jung und frisch ist er gar nicht, sondern gut verwurzelt im US-Establishment. Ob er außenpolitisch wirklich mehr drauf hat oder sonst in irgendeiner Weise Vorteile gegenüber Hillary, wage ich doch sehr zu bezweifeln.
    Allerdings könnte er – wenn er denn wirklich umsetzt, was er verkündet – tatsächlich eine Neuauflage des erfolgreichen New Deal Roosevelts auflegen und damit ein weltweites Signal gegen die Ideologie des Neoliberalismus geben (für den auch Hillary steht). Dazu muss er aber zuerst mal seine Financiers entmachten.

    [NB: Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht die Faschisten dieser Welt sind, die wie damals den "New Deal" nachahmen, um ihre Macht zu festigen... ]

  • Daniel Mouratidis
    Daniel Mouratidis meint:

    So wie es aussieht wird Obama nun tatsächlich der Kandidat der Demokraten.

  • US-Wahl 2008 - Was wäre wenn? - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org meint:

    [...] Video nicht vorenthalten, das die Auflösung bereits bringt, wie die Wahl ausgeht (während manche noch überlegen und spekulieren). Computer können angesichts der Wahlbeteiligung von Computern [...]

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