Nein, nicht so wie Sie vielleicht jetzt denken. Ich habe mich nun eben angemeldet bei der Webapplikation Twitter, auf deutsch zwitschern. Jetzt ist der letzte Wellensittich in unserer Familie vor runden 15 Jahren davongeschieden, und das heutige zwitschern unterscheidet sich auch erheblich davon. Im Grunde bekommen die Menschen, die das wissen wollen mit, was ich tue. Und ich wiederum von denjenigen Menschen, denen ich folge. Barack Obama hat angeblich über 300.000 Menschen, die sein Gezwitscher verfolgen. Ganz schön erfolgreich einsetzbar, solche Tools.
Auf die Idee gebracht hat mich übrigens mein Landesvorstandskollege Henning. Danke dafür nochmal!
So richtig überraschend ist es ja nicht, dass ich die Fussball EM aufmerksam verfolge. Als Kind betrieben meine Eltern in guter Gastarbeitermanier die Vereinsgaststätte der TSG Backnang Fussball. Solche Erinnerungen bleiben in der Seele hängen, auch wenn meine beiden Schwestern dann viel erfolgreichere Spielerinnen waren als ich. Später sang ich mit dem Chor des Jugendzentrums Backnang unsere sehr eigene Version vom 1974er Hit “Fussball ist unser Leben” auf einer CD-Complilation mit örtlichen Bands ein. Die Rezensionen waren überwältigend, “nie habe sich dieser Song authentischer angehört”, habe ich in Erinnerung.
Nun also auf ein Neues. Besser als 2004 kann es zwar kaum werden – Griechenland Europameister, das wird wohl so schnell nicht mehr kommen. Bleibt mir Deutschland, oder eben eine andere Mannschaft, die gut spielt. Internationaler werden die Teams von Turnier zu Turnier. Das finde ich eine gute Entwicklung. Menschen mit Migrationshintergrund sind fast überall zu finden, und so können sich auch die Polen trotz der Niederlage darüber freuen, dass der polnischstämmige Lukas Podolski die Tore für Deutschland geschossen hat. Hier gilt der Grundsatz: Geteilte Freude ist eben doppelte Freude.
Doppelt gefreut habe ich mich auch 2004. Der griechische Co-Trainer Ioannis Topalidis trainierte nämlich vor ein paar Jahren noch die anfangs erwähnte TSG Backnang.
Bekanntlich hat die Landesregierung ein Alkoholverkaufsverbot an allen Verkaufsstellen zwischen 22 und 5 Uhr durchgesetzt. Nur in gastronomischen Betrieben ist das weiterhin erlaubt. An Tankstellen und Kiosken dagegen wird es kein Bier, Wein und co mehr geben.
Neben des bemerkenswerten Details, das gleichzeitig die Sperrzeit für Kneipen quasi abgeschafft wurde, treiben so manche Ausnahmen des Gesetzes laut eines Berichts der Stuttgarter Zeitung noch andere Blüten: An Autobahnraststätten wird man vorerst weiterhin Alkohol zwischen 22 und 24 Uhr kaufen können, und Gaststätten dürfen auch Alkoholika außer Haus verkaufen. Gut möglich, dass so mancher Wirt in Zukunft auf ein gutes Nebengeschäft hoffen kann.
Eine weitere Konsequenz dieses Gesetzes war aber wohl unbeabsichtigt: Die Verkaufsbuden der im Land beliebten Strassen- und Dorffeste dürften demnach eigentlich keine alkoholischen Getränke nach 22 Uhr mehr verkaufen. Einzig in Bierzelten wäre das noch erlaubt. Das würde allerdings in so manchen Gemeinden einen Volksaufstand auslösen. Das traditionsreiche Backnanger Strassenfest nur noch bis 22 Uhr? Absurd. Puritanien lässt grüßen. Einzige Lösung wäre also wieder mal eine der unbeliebten Ausnahmen von der Regel. Womit wir wieder bei der Sinnigkeit dieser Regelung wären. Wenn dadurch insbesondere jungen Menschen das Trinken abgewöhnt werden soll, verkennt dass die Droge Alkohol gesellschaftlich akzeptiert wird. Die Erwachsenen trinken den Jugendlichen täglich etwas vor. Verkaufsverbote ändern daran wenig. Man besorgt sich die Flaschen eben früher. Besser wäre ein allgemeiner behutsamer Umgang damit. Sprich: in Maßen, nicht in Massen.
Nachdem ich nach meiner Rückkehr aus den USA unter anderem bei den Grünen Kreisverbänden Sigmaringen und Aalen vorbeigeschaut hatte, war ich auf Einladung von Dr. Ahmet Ertekin Gast beim Deutsch-Türkischen Business Center. Mit dabei waren auch Gülten Aysel, die Vorsitzende der Föderation der Vereine türkischer Elternbeiräte in Württemberg und Ersin Ugursal, der den türkischen Sportvereinen im Land vorsteht.
In dieser Runde lagen die Themen natürlich auf der Hand: Die Förderung von Existenzgründern mit
türkischem Migrationshintergrund und die Bildungspolitik. Ich bin der Meinung, man sollte das gemeinsam sehen, denn auf Grund der Tatsache, dass die Bildungschancen türkischstämmiger Menschen in Baden-Württemberg immer noch deutlich schlechter sind als für den Rest ergeben sich auch weniger Firmengründungen, die z.B. technische Innovationen als Gründungsidee haben.
Auch beim Thema muttersprachlicher Unterricht waren wir uns einig. Ich verstehe es nicht, warum einige Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Chinesisch und Italienisch in der Schule favorisiert werden, Türkischunterricht als zweite Fremdsprachen aber nicht akzeptiert wird. Das würde man natürlich viel einfacher bewerkstelligen können, wenn es eine Gemeinschaftsschule geben würde.
Schließlich redeten wir noch über die Ängste der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland angesichts der Meldungen über Brandanschläge auf deren Häuser. Der Schock über die schlimmen Anschläge in Solingen und Mölln in den 1990er Jahre haben sich tief in das Bewusstsein der Deutsch-Türken eingefräst. Die neuesten Meldungen haben deswegen auch diese Menschen schwer getroffen. Herr Ertekin berichtete über eingebürgerte Türken, die deswegen ihren Pass wieder zurückgeben. Eins ist klar: Jeder Hausbrand und Brandanschlag ist für die betroffenen Menschen ein schwerer Schicksalsschlag. Es hat sich aber gezeigt, dass es keine besondere Häufung von Bränden gibt; leider müssen die Feuerwehren immer wieder aus den verschiedensten Gründen ausrücken. Dann sind vermeintliche rechtsradikale Brandanschläge schlicht gefälscht. So war es z.B. in Backnang. Wichtig ist mir: Wir müssen die Ängste dieser Menschen Ernst nehmen und aufklärend wirken; zudem auch in Zukunft alles weitere unternehmen, dass es hoffentlich keine weiteren politisch motivierten Anschläge mehr gibt.