Überwachte Spaziergänge gestartet
Überwacht „Big Brother“ bereits unseren Alltag? Dieser Frage bin ich auf einem “überwachten Spaziergang” durch die Waiblinger Innenstadt nachgegangen. Rund 25 Teilnehmer waren zu diesem Termin gekommen. Viele von der Grünen Jugend, einige JuLis und Piraten aber auch ältere Menschen, die noch die Diskussion um den Volkszählungsboykott Ende der 1980er Jahre miterlebt hatten. Und so spazierten wir vom Alten Postplatz los und ich thematisierte als erstes die Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Angeblich soll es der Kriminalitätsvorbeugung helfen.
Britische Studien haben aber gezeigt, dass vor allem eine Verlagerung stattfindet, und ab dem Zeitpunkt als beispielsweise die Londoner Innenstadt fast vollständig überwacht wurde, hatte man die ursprünglichen Zahlen wieder erreicht. Zudem: Die Auswertung der Bilder ist personalintensiv, und es macht im Sinne einer Kriminalprävention allemal mehr Sinn, Polizisten in Form von Fußstreifen in den Städten zu haben als diese hinter Monitoren arbeiten zu lassen. Wir schritten voran, und natürlich erläuterte ich die Gefahren der Vorratsdatenspeicherung, biometrischen Pässe oder von Kundenkarten. An Bankautomaten hinterlassen wir Datenspuren, und wir können über unsere Mobiltelefone geortet werdern – nicht nur von den Mobilfunkbetreibern, sondern auch von eifersüchtigen Partnerinnen und Partnern im Zweifelsfall. Werbung dafür wird fleissig im Privatfernsehen gemacht. Wir alle werden so mehr und mehr zum gläsernen Bürger. Wenn man alle Daten, die wir auf diesem Spaziergang hinterlassen haben, aneinanderreiht, ist unsere Route und was wir gemacht hatten, gut nachvollziehbar. Unsere Daten werden vom Staat, aber gerade auch von privaten Unternehmen immer stärker erfasst und kontrolliert – teilweise ohne Wissen und Zustimmung der Bürger, mit fatalen Folgen für die Grundrechte und die Privatsphäre jedes Einzelnen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bleibt oftmals nur eine leere Worthülse.
Deswegen müssen wir wachsam sein – und uns wehren gegen die Enntwicklund weg vom Rechts- hin zum Präventionstaat und die Sammelwut privater Firmen, aber auch kritisch unser eigenes Verhalten hinterfragen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung darf nicht ins Hintertreffen gelangen. Denn meine Daten gehören mir.









Bitte Strafanzeige stellen wegen Spams! danke!
Aha. Gegen wen? Und warum?
Ich habe ebenfalls einen Überwachungsspaziergang gemacht. Wirklich erschreckend, wie wenig sensibel viele Mitbürger gerade bei Schneefall mit ihren Datenspuren umgehen. So war es mir ein leichtes verschiedene Schuhprofile mit den zugehörigen Schuhgrößen im Eingangsbereichs eines Sexshops zu identifizieren und zu in vielen Fällen auch festzustellen, woher die Leute kamen und wohin sie gingen.
Deutschland ist nur noch peinlich!
und andere lesenswerte Beiträge zur Google Paranoia finden sich hier:
http://www.rp-online.de/public/comments/index/regional/bergischesland/remscheid/nachrichten/895159?skip=5