Von Social Media, Blog und Backnang 21
Vergangenen Samstag kam ich in den besonderen Genuß, in der Kolumne des Chefredakteurs der Backnanger Zeitung genannt zu werden. Ich sei ja in letzter Zeit nicht mehr in jeder Sitzung des Gemeinderats gewesen, und auf meinem Blog stünde schon lange kein neuer Artikel. Nun, da hat er Recht. Da ich noch bis Ende März beruflich in Sachsen-Anhalt als Wahlkampfmanager der Grünen tätig bin, schaffe ich es einfach nicht in jede Sitzung. Immerhin wird mein Fehlen bemerkt; bei anderen Stadträte, die in dieser Legislatur bisher weder einen Wortbeitrag hatten noch einen eigenständigen Antrag eingebracht haben, würde deren Fehlen wohl nur an der größeren Anzahl der übrig gebliebenen Butterbrezeln nach der Sitzung auffallen. Oder eben gar nicht. Vielleicht ist es aber auch ein Hilferuf des Herrn Fiedler: Ohne Grüne im Rat fehlen oft auch die kritischen Stimmen. Aber keine Sorge: Zu den Verhandlungen um die Zukunft der Stromkonzessionen bin ich da!
Ja, und es stimmt auch, ich könnte mehr bloggen. Aber zu verlockend ist es, sich nur noch auf Facebook und Twitter zu äußern. Das geht schnell, kompakt und ich bekomme fixe Rückmeldung von anderen Menschen. Und twittern geht ganz einfach während den Sitzungen. Es hat sich übrigens noch niemand beschwert, weil ich das tue. Ich glaube, die meisten nehmen an, ich schreibe mit meinem Mobilfunkgerät SMS, wenn ich Tweets absetze. Nochmal für die nicht so webaffinen unter meinen Lesern: Einen Blogbeitrag zu schreiben ist ähnlich wie mit einem Wahlstand in der Innenstadt stehen. Man muss den ganzen Krempel zusammenpacken, aufbauen, Stunden verbringen, und kaum einer kommt aktiv auf einen zu (aka einen Beitrag kommentieren). Ein pointierter Kommentar auf Facebook hingegen ist wie eine steile These am Kneipentisch mit Freunden: einfach rauszuhauen, und es kommt prompte Antowort. Was ja einige bereits dazu verleitet hat, das Bloggen ganz zu lassen. Nun, soweit will ich nicht gehen. Es gibt ja genug zu berichten eigentlich: Die 1,5 Mio Euro, die Backnang für S21 zu zahlen hat – ohne meinen Antrag hätte das wohl kaum einer mitbekommen. Übrigens im Gegensatz dazu presst man den Jugendverbänden ein paar Tausend Euro ab und streicht die Zuschüsse für Kinder- und Jugendfreizeiten zusammen – aus Spargründen. 1,5 Mio in Beton für ein zweifelhaftes Projekt, das Backnang wenig bringt sind also scheinbar zukunftsträchtiger angelegt als ein paar Tausend für pädagogisch sinnvolle, von Ehrenamtlichen geleiteten Freizeiten,die Generationen von Kinder und Jugendlichen solidarisches Handeln und andere Sozialkompetenzen vermitteln.
Oder, dass Backnang weiter auf ein Klimaschutzkonzept wartet. Oder – inklusive Nebenkosten – für runde 20 Mio Euro ein neues Hallenbad baut, ohne alle notwendigen Genehmigungen in der Tasche dafür zu haben. Das sollte sich mal ein privater Bauherr trauen…..An dieser Stelle kommt nun auch die Auflösung des Bildmotivs dieses Beitrags. Es zeigt die Rodung einer Streuobstwiese. Es sind eben diese Bauarbeiten, die begonnen worden sind, gegen den Widerstand der Umweltschützer – und gegen die Klarheit in den Verfahrensabläufen, eigentlich ein Grundpfeiler moderner Demokratie. Aber darüber zu sinnieren braucht es einen eigenen Blogartikel. Mindestens.









Lieber Herr Stadtrat,
freut mich, dass Sie den Ball zurückgeworfen haben. Und die Passage mit den Butterbrezeln gefällt mir ganz besonders. Da haben wiederum Sie Recht. Und ich Stoff für ein paar weitere Zeilen.
frdl. Gruß
Reinhard Fiedler
Backnanger Kreiszeitung